Textil- und Bekleidungsindustrie in Bangladesch

In Bangladesch befinden sich vornehmlich Konfektionierungsbetriebe ("Nähereien") der Textil- und Bekleidungsindustrie, aber auch einige vorgeschaltete Teile der textilen Kette wie Webereien und Färbereien.

In Chittagong und vor allem in und um die Hauptstadt Dhaka befinden sich die meisten der weit über 5000 Fabriken, die für den Export produzieren - wenn Kleinstbetriebe und Nicht-Exportunternehmen mitgerechnet werden, muss man von hunderttausenden oder gar Millionen Nähstuben sprechen (2008 waren 24.000 Fabriken registriert). Hier arbeiten etwa 4 Millionen Menschen, von denen die meisten Frauen sind (ca. 80%). Wenn die Familienmitglieder, die von diesen Arbeitsplätzen mit abhängig sind, dazu gerechnet werden, (mangel-)ernährt diese Branche ca. 20 Mio. Bangladeschis. Bangladesch ist in höchstem Grade von der Textil- und Bekleidungsproduktion abhängig: Über 15% des Bruttoinlandsprodukts und fast 80% der Exporte werden durch diesen Sektor erwirtschaftet.

Die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen sind dabei miserabel: Die Hauptprobleme - nicht nur in Bangladesch - sind
- nicht-existenzsichernde Löhne,
- überlange Arbeitszeiten,
- Gewerkschaftsfeindlichkeit und
- Diskriminierung von Frauen.

Der Hauptgrund für die extreme Ausbreitung dieses Sektors seit den 1980er Jahren in Bangladesch sind die niedrigen Löhne. Dies hat sich - trotz zweimaliger Anhebung des Mindestlohns nach heftigen Protesten in den letzten Jahren - grundsätzlich nicht geändert. Die Löhne reichen immer noch nicht, um sich und die eigene Familie ausreichend zu ernähren und ein würdiges Leben zu führen. Die Lebensrealität besteht aus Slum, Hütte/Zimmer mit mehreren zusammen, schlechte Hygienebedingungen, Mangelernährung, keine Versicherungen, kaum Bildungschancen, kaum Freizeit, etc.

Die Folge davon sind überlange Arbeitszeiten von 10 bis 14 Stunden an 6 bis 7 Tagen pro Woche, um durch Überstunden und in Form des häufig vorzufindenden Akkordlohns mehr Geld zu verdienen. Auch wenn sich nach dem Unglück von Rana Plaza am 24.4.2013 (vgl. Gebäudeeinsturz in Sabhar) eine größere Offenheit gegenüber Gewerkschaften zeigt, so wird tendenziell weiterhin versucht, ihren Einsatz für verbesserte Arbeitsbedingungen zu verhindern oder gar zu beschränken. Nur etwa 5% der ArbeiterInnen sind in Gewerkschaften organisiert und müssen dabei immer fürchten, ihren Arbeitsplatz deswegen zu verlieren oder gar gefoltert und mit dem Tod bedroht zu werden.

Da vor allem Frauen in dieser Branche arbeiten, sind sie es, die am meisten unter diesen menschenunwürdigen Bedingungen zu leiden haben. Dass gerade Frauen in diesem Bereich arbeiten und so wenig Lohn erhalten, ist kein Zufall, sondern hat System: In den Management- und Aufseherpositionen sind vor allem Männer angestellt. Diese üben Druck auf die Frauen aus, die sich - auch kulturell bedingt - meist unterordnen. Auch wenn es in erster Linie um den Erhalt des Standorts in der weltweiten Konkurrenz geht, ist es von Vorteil, dass diejenigen, die gesellschaftlich als weniger wichtig erachtet werden (übrigens nicht nur in Bangladesch), die Schufterei mit geringen Löhnen umsetzen. Zudem werden sie dabei auch noch häufig verbal und sexuell belästigt.

Bis vor einigen Jahren war die Tendenz, dass gerade in den Bereichen Sicherheit und Gesundheit Verbesserungen erzielt werden konnten, da diese technischen Aspekte einfach und überprüfbar verändert werden konnten: Die Fabrikeinstürze und vor allem die nicht weniger werdenden Fabrikbrände der letzten beiden Jahre in mehreren Ländern deuten allerdings darauf hin, dass man selbst in diesem Bereich nicht mehr von generellen Verbesserungen, sondern eher dem Gegenteil ausgehen muss.

Weitere Informationen

Wer zu den aktuellen Ereignissen rund um das sog. Brandschutzabkommen mehr wissen möchte, kann sich unter www.bangladeshaccord.org informieren. Eine kritisch-würdigende Stellungnahme von tie (www.tie-germany.org) dazu kann hier nachgelesen werden.

Um immer auf dem neusten Stand in Sachen Textil- und Bekleidungsindustrie zu bleiben, ist die Webseite der Kampagne für Saubere Kleidung am besten geeignet: www.saubere-kleidung.de.

Und speziell zu Bangladesch sind folgende Veröffentlichungen mit Literaturangaben geeignet: http://column.global-labour-university.org/2013/07/rana-plaza-private-governance-and.html#more und http://www.ci-romero.de/fileadmin/media/informieren-themen/studien/kleidung/CSBangladesh2013.pdf .

Viele aktuelle Daten sind auch unter http://data.wdr.de einsehbar.

Schließlich ist noch auf eine generelle Kritik der auf stetiges Wachstum ausgerichteten Wirtschaftsweise und ihrer Gesellschaftsordnung hinzuweisen, in deren Entstehung und Weiterentwicklung gerade die Textil- und Bekleidungsindustrie eine wichtige Rolle gespielt hat: http://exit-online.org/pdf/schwarzbuch.pdf .

spenden

Kontakt unter:

MATI e.V.
Postfach 4162
65031 Wiesbaden
E-Mail: mati-deutschland@web.de


Hier finden Sie uns auf Facebook:

Hier finden Sie uns auf Facebook.

Weitere Aktionen im Netz:

benefind.de - Sie suchen, wir spenden.